Sehr wahre Worte auf Mastodon gegen den Reflex, private Blogbeiträge vor der Veröffentlichung erst noch von einem LLM prüfen und glattbügeln zu lassen. Vielleicht verkehren wir die Logik einfach und bleiben alle etwas menschlicher?
Instead of defending the use of LLMs for polishing up your writing, we could be advocating for unpolished writing. Blog posts with spelling errors and awkwardly repeated words. […] If there’s no budget for a human editor, why should the text meet a “professional” (middle class, formally educated) standard? […] We can learn to read for a more inclusive world, instead of wasting the planet’s diminishing resources masking our differences.
Dr. Zoyander Street
Ich würde das alles jeglicher Ideologie entheben, keine wie auch immer gearteten Motivationen und Versprechungen abgeben, sondern die Sache einfach akzeptieren. Im Chaos, der Unordnung, dem Fehlen von Konventionen liegt ja gerade ihr Charme. Die eine schreibt so, der andere wiederum so, bei der einen gibt es hingeworfene Ideen, bei einem anderen wiederum ausformulierte Essays: für mich alles in Ordnung, alles okay, solange Bloggen ein Erkenntnisprozess bleibt, an dem Dritte partizipieren können. Eine eigene Website ist ja ohnehin peinlich, da kommt es auf Tipp-, Grammatik- und sonstige Fehler auch nicht mehr an. Es ist wirklich egal. Hauptsache, es gibt eine Stimme, die das Schreiben zur Ordnung der eigenen Gedanken (und nicht als Marketinginstrument) nutzt. Hauptsache, ihr schreibt! Und wenn noch nicht, dann fangt an! Die, die lesen, schaffen das schon.
Ein Bekenntnis zur Unvollkommenheit (Orthografie- und Grammatikfehler) klingt natürlich sehr sympathisch. Und vielleicht ist es auch so, dass privates Bloggen generell etwas Peinliches hat. Trotzdem lese ich persönlich lieber Texte, die halbwegs fehlerfrei daherkommen. Damit will ich nicht behaupten, selbst allzu viel Energie in den Check meiner Texte zu investieren. Ich nutze KI gern und immer mal wieder. Nicht um Texte zu erfinden oder diese eigenständig erstellen zu lassen. Das wäre ja fad. Ich für meinen Teil habe allerdings nichts dagegen, gelegentlich mal eine kleine Formulierungshilfe in Anspruch zu nehmen.
Nur, um mal eine andere Farbe in die einseitige Darstellung unter Bloggern zu verbreiten.
Ich unterschreibe dir jedes Wort. Natürlich optimieren, wenn leicht möglich, aber auch akzeptieren, wenn nicht. Warum auch immer. – Und findest du wirklich, dass die Sache unter Bloggern einseitig dargestellt wird? Ich sehe da schon mindestens drei Seiten: die einen, die sich um Vollkommenheit bemühen, die anderen, denen es komplett egal ist – und dazwischen diejenigen, die darauf achten, im Großen und Ganzen lesbar zu bleiben. Und diese drei Meinungen findet man auch da draußen…
Mein Eindruck ist, dass der größte Teil der deutschen Blogosphäre mit großer Skepsis auf das Thema KI sieht. Es scheint geradezu frevelhaft zu sein, wenn private Blogger Texte schreiben lassen (was oft nicht einmal der Fall ist). Marketingfuzzis oder Profiblogger sieht man das nach oder erwartet von ihnen vielleicht auch nicht mehr. Aber die Gilde der echten Blogger sollte doch bitte sozusagen eigenhändig erstellte Texte vorziehen.
Die drei von dir genannten Gruppen gibt es. Nur sind manche Stimmen, wie im richtigen Leben, viel lauter als andere. Dass ich das so wahrnehme, kann natürlich an meiner liberalen Haltung zum Thema liegen. :-) Irgendwann, hoffe ich, wird sich auch das Thema auf ein normales Resonanzmaß reduzieren. Bleiben wir zuversichtlich.
Wenn tatsächlich irgendwann alles, was wir veröffentlichen, in den Trainingsmassen der KI landet, verschiebt sich die Qualitätsfrage. Dann füttert sich das System aus allem: aus klugen, durchdachten Texten ebenso wie aus hastig hingeworfenem Kram. Man könnte befürchten, dass sich am Ende das Mittelmaß selbst verstärkt – dass aus viel Durchschnitt irgendwann noch mehr Durchschnitt wird.
Ganz ehrlich: Ich glaube nicht, dass es so einfach läuft. Die Konzerne, die Milliarden in diese Technik stecken, wollen Geld verdienen. Und zwar langfristig. Die haben kein Interesse daran, dass ihre Systeme verblöden. Qualität ist in diesem Zusammenhang keine moralische Kategorie, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Wer Vertrauen verspielt, verliert Nutzer. Und wer Nutzer verliert, verliert Markt.
Ich gehe deshalb eher davon aus, dass Wege gefunden werden, Qualität zu gewichten, zu filtern, vielleicht sogar neu zu definieren. Entscheidend bleibt für mich etwas anderes: Ob wir selbst noch Maßstäbe anlegen. Ob wir uns mit Mittelmaß zufriedengeben oder nicht. Die Verantwortung lässt sich nicht komplett an Algorithmen delegieren – so bequem das manchmal auch wäre.
Dein Wort in unserer KI-Herren Ohr! Was die Blogs im deutschsprachigen Raum angeht, so bin ich ganz bei dir: Ja, an den Polen ist es laut, in der Mitte eher leise. Ich kann beide Seiten nachvollziehen, bin der Diskussion mittlerweile aber müde. Für mich habe ich entschieden, dass ich dem Aspekt “mein Blog, meine Art zu schreiben” mehr Gewicht gebe als der Frage, wie ein Text entstanden ist. (Sicher ist es besser, weil intellektuell fordernder, wenn man sich die Mühe macht und alles selbst schreibt; aber das – auch das habe ich gelernt – ist eine persönliche Entscheidung, die ich als Leser zu respektieren habe.) Gänzlich KI-generierte Blogs soll es meinetwegen auch geben; ich muss sie ja nicht lesen. Suum cuique hat man schon vor zweitausend Jahren gesagt, und es gilt heute umso mehr.
Was deine Verknüpfung von Wirtschaftlichkeit und Qualität angeht, so finde ich die These spannend. Ich frage mich jedoch, ob die Hersteller nicht eher einen Weg gehen, den ich hier immer wieder als “zur Infrastruktur werden” beschreibe. Die Quellen für wirklich hochwertiges Training versiegen, und die Produktion neuer, anspruchsvoller, also qualitativ hochwertiger Inhalte hält mit dem Ingestion-Hunger der Modelle schlicht nicht Schritt.
Genau deshalb glaube ich, dass der Ausweg der großen KI-Services eher nicht in der Steigerung der Güte liegt, sondern in einer Form der vulgären Machtdemonstration durch eine Art unumkehrbare Durchdringung jeglicher Software-Infrastruktur: KI wird ungefragt überall hineingestopft. Wenn Preise “wegen neuer KI-Features” erhöht werden, deren Sinn niemand (ich zumindest nicht) sieht, geht es nicht um Qualität, sondern um Marktmacht. Das ist keine Vermutung, sondern eine Beobachtung, die wir alle mittlerweile machen und an den Preiserhöhungen der wesentlichen Anbieter von Software-Infrastruktur (Cloud, Office, usw.) spüren können.
Ich fürchte daher, dass die Sache eher zu einem allgemeinen Absacken des Niveaus führen wird, weil die gevibecodeten Apps der Schreihälse populärer sein werden als die mühsam auf Sicherheit und Performance geprüften Programme ausgebildeter Entwickler, die das Thema KI durchaus differenzierter angehen.
Kurz gesagt: Ja, Qualität zu gewichten wäre ökonomisch vernünftig. Ich bezweifle aber, dass Unternehmen diesen harten Weg gehen, wenn sie uns stattdessen einfach technologisch festbetonieren können.
Ich kann deiner Argumentation folgen, hoffe allerdings schon weiter darauf, dass die Qualitätsansprüche von Verbrauchern nicht ganz durch die Macht des Silicon Valley zu verdrängen sein wird.
Die “vulgärste Machtdemonstration” führt uns Trump gerade vor Augen. Er komplementiert “Anthropic” raus aus dem militärisch-industriellen Komplex und sorgt in einem Umfeld (fast) ohne Regeln für eine gewisse (noch negativere) Form des Wettbewerbs unter denen, die sich Trumps MAGA-Poltik fügen.
Ich hoffe sehr, dass die Aussage deines ersten Satzes in Erfüllung geht bzw. aufrechterhalten werden kann. Und was den zweiten angeht, so habe ich auch nicht schlecht gestaunt, was selbst US-amerikanischen Unternehmen passieren kann.