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Gefrorene Idylle

Lebensweisen gibt es viele, schätzen kann man sie oder nicht. Das Leben am Land ist nicht meine Lebensweise, aber ich setze diese Art sein Dasein zu fristen nicht unter meine Art, mein Dasein…

Sonntagsarabesken #109

Traumbild, gesehen in wachem Zustand: Ein prächtiges Gewirr Tausender Schmetterlinge; der Mond, überzogen mit Silberfäden, läßt lange Schatten in den Alleen und Promenaden wachsen. Nachtrosen heben ihre Köpfe und öffnen die rubinroten Lippen.…

Sonntagsarabesken #108

Karamelfarbenes Haar umfängt ihr Gesicht, das Gesicht einer jungen Herzogin von Ferrara, jene scheinbar von Ghirlandaio in ewiges Halbdunkel getauchte Haut, die den Betrachter gebannt den eigenen Atem vergessen läßt. Mit den Fingern…

Sonntagsarabesken #107

Hinter den rot umrandeten Fleischkugeln, die sich Menschen nennen, verschwindet die Wahrheit wie hinter verstaubten Theaterkulissen. In den Lehnstühlen sitzen knochenbleiche Gespenster und reden von gegenwärtiger Vergangenheit. Das Atmen fällt schwer. Der Körper…

Sonntagsarabesken #106

Am Ufer der Salzach sitzend träumte sie sich in die Gärten des Alcazar. Kälte stieg vom Wasser auf. Gekräuselter weißer Schaum tanzte zwischen den Steinen der Uferböschung, spülte an manchen Stellen über braunes…

Sonntagsarabesken #105

Der Schweiß des Sommers ist verdampft. Die Schritte bewegen sich wieder in ausgetretenen Bahnen; das Bewußtsein kehrt der Angst den Rücken zu. Die am Tag der Abreise noch mit Rosen bewachsene Wand der…

Sonntagsarabesken #104

Ein Sturm zieht herauf am Horizont. Im verbissenen Kampf der mächtigen Winde zerreißt der Himmel, und aus der klaffenden Wunde bricht schwefelgelb die Sonne. Ein diabolisches, giftiges Licht ergießt sich unterhalb der pechschwarzen…

Magdalena krank in Xinjiang

Gegen Ende der Tour in Xinjiang mit meiner Reisebegleitung Magdalena, wir waren zu diesem Zeitpunkt in Turpan, wurde sie plötzlich und für uns beide aus heiterem Himmel wirkend krank. Noch in der Früh…

Sonntagsarabesken #103

Fahrt durch die sonnenbeschienenen Hügel, die Straße begleitet von einem Spalier knorriger Obstbäume, scheinbar in ewiger windschiefer Verbeugung gefangen. Radfahrer pflücken Kirschen und Äpfel, die Räder an die Grabenböschung gelehnt. Das Auto gleitet…

Gravitation: ignoriert!

Der Aufbruch von Kashgar zum hochgelegenen Karakul See gestaltete sich anders als geplant, denn wir waren nicht allein unterwegs, sondern wurden mit einem Deutschen, einem Engländer und einem Franzosen gemeinsam in den Jeep…

Lange Zeiten

Eine lange, mühevolle und langsame Reise in ein Gebiet, das man als Europäer so oft nicht besuchen wird: Xinjiang, die westlichste Provinz Chinas.

Kraman Restaurant in Urumqi

In Urumqi gibt es zwei Möglichkeiten, vernünftig, billig und gut zu essen. Einerseits den Wuyi Nachtmarkt, andererseits das Kraman-Restaurant, das im Lonely Planet Erwähnung findet. Damit war es das aber auch schon, denn…

Ankunft in Urumqi

Etwa fünf Stunden nach Abflug aus Shanghai, erreichten wir Urumqi in Xinjiang Dort lässt man sich reiche Ausländer natürlich nicht entgehen und prompt sind wir in eine Falle getappt, an die wir hätte…

Wuyi Nachtmarkt in Urumqi

Urlaub in China. Kaum in Urumqi angekommen und das Hotel bezogen, ging es schon daran, die Tickets für die Fahrt nach Kashgar zu kaufen und gleich danach, dem Wuyi Nachtmarkt einen Besuch abzustatten,…

Sonntagsarabesken #102

Hunderte blasse Gestalten verneigen sich vor dem eintretend Flüchtenden. Ein eisiger Luftzug streichelt seine Schläfen. Aschgraue Hecken senken tief die heute abgeschnittenen Kronen; goldgelb wirbelnd steigen Staub und Geruch der alten Gasse aus…

Architektur in Pu Dong, Shanghai

Architektur in Pu Dong, Shanghai. Mich faszinieren die sterilen Gebäude, Denkmäler, Straßen und Brücken im „neuen“ Stadteil Shanghais, Pu Dong. Hält man sich dort allerdings etwas länger auf, bemerkt man schnell, dass die…

Auffinden chinesischer Freunde

Es ist nicht unbedingt leicht innerhalb kurzer Zeit in einem fremden, kulturell völlig andersartigen Land Freunde zu gewinnen. Bekanntschaften, flüchtig, freundlich, aber auf neutralem Level: ja, aber Freunde mit denen man streiten, lachen,…

Sonntagsarabesken #101

Einen Tag, bevor der als „Hercule“ zu Ruhm gelangte Dichter unsterblicher Liebesverse sterben sollte, traf er die wunderbarste Frau von allen. Hatte er sie zuvor nur aus der Ferne gekannt und sich manchmal…

Ergüsse auf nimbuism.net

Schwer waren seins Schultern als er sich auf dem Weg heim machte. Tief seine Trauer, hell sein Schmerz, und zugleich wagemutig sein Vorhaben. Als er, daheim angekommen, die Tür öffnete konnte er schon…

Sonntagsarabesken #100

Ein Zitat: Rückgriff in bessere Zeit. Eine Wiederholung: Das ewige Kreisen um die eine Note, die er doch nie exakt zu treffen vermochte. Während der Rauch des Dampfers sich im milchigen Blauglanz des…

Sonntagsarabesken #99

Der Gedanke könnte lauten: Verschieben wir die Liebe auf morgen! Was hindert uns denn daran? Berechtigte Furcht davor, etwas zu verpassen? Substanzlos verschwindet sie hinter den Wogen geliebter Musik! Bier sprudelt in die…

Kaff

Da habe ich doch heute glatt mit einer Kollegin telefoniert, die noch vor zwei Wochen mit ihren Freunden und mir durch Shanghai gezogen ist. Ein eigenartiges Telefonat, vor allem, weil die österreichische Provinz…

McWalk

Williamsburg, USA: Eine Gruppe von Studenten aus Österreich feiert in einem mehr oder weniger schmuddeligen Lokal am Stadtrand das Ende einer netten Reise. Wir sind mit dem Reisebus hergekommen, damit die Alkoholleichen auch…

Sonntagsarabesken #98

Der Atem der Stadt geht träge. Die Lungen der Menschen sind von hartgebackener Luft verklebt. In einem Sog aus Hitze und Schmerz liebt man sich an den Rand der Existenz. Erweiterung des Rausches…

VIP Room

Der Eingang liegt irgendwo in einem Hinterhof, schmuddelig und von Slumbewohnern bewohnt – umgeben von Ferraris, BMWs, Mercedes, Aston Martins und Unmengen an Prostituierten. Ich muss da durch, betrete den Eingang, an dem…

Sonntagsarabesken #97

Die Wahrheit ist schillernd. Ihre Erscheinungsformen changieren zwischen den unterschiedlichsten Extremen. Wieder bin ich darauf gestoßen, beim Blick durch die Wände des gläsernen Gefängnisses, in das mich mein eigener Wille zum Glück gezwungen…

Entfernt

Shaoxing Ende Der Abschied von unseren Sprech-Partnern fiel einigen nicht leicht. Es war schwer die Studenten in den Bus zu bekommen, noch dazu, wo dieser Herr der Impetus für nächtliche Konversation zwischen mir…

Farewell-Party

Jane kontaktiert mich gegen 15:00 Uhr und teilt mir mit, dass die Rede, die ich eigentlich als kabarettistische Programmeinlage geplant hatte, ein offizielle werden sollte, die ich, als Vertretung für die Uni Wien,…

Sonntagsarabesken #96

Münz denkt nach Ästhetisches. Allzu Ästhetisches. Das Leben als Kunstwerk. Schwer durchzuhalten, diese Maxime, wenn man sich fühlt wie in einem Dampfkochtopf, denkt Münz, während er aus dem letzten Loch zu pfeifen vorgibt, um…

Gegen Ende

Gegen Ende gibt es immer einige, die schon früher gehen, einige, die es dem Rest noch reindrücken müssen und einige, die der Zeit schon im Vorhinein nachtrauern. Nicht ganz so krass gruppiert, aber…

Sonntagsarabesken #95

Die Farben der Stadt und ihre Klänge haben sich gewandelt. Ein erstickender Hitzeschleier breitet sich über Dächer und Menschen, die Vegetation ist mit leisem Röcheln am Verenden. Hinter hohen, von Schlinggewächsen bedeckten Mauern…

Sein Abendessen

Es liegt niemandem fern, auch in China nicht-chinesisch gut zu essen. Ein solches, exquisit, geformt und fast schon kolonialen Standards entsprechend, hat es ihm gestern angetan. Im Dio bestellt man zwar an sich…

Regen

Ich trete vor den Speisesaal und vor mir eine Wasserwand. Wenn es hier in Shaoxing regnet, dann ordentlich, dann trübt das Wasser den Blick schon auf zwanzig Meter. Die gigantischen Wassermassen, die hier…

Reise nach Hangzhou

Die Abfahrt erfolgt um 8:30 Uhr, nachdem am Vortag lange darüber diskutiert wurde, ob man sie nicht vielleicht um eine halbe Stunde (bzw. eineinhalb Stunden) früher ansetzen sollte. Die Einigung hat sich, dies…

Zwei Sekunden: Ein Fahrrad in China

Der Händler sieht mich skeptisch an, er steigt jedoch auf mein Angebot ein: Das Fahrrad und die Absperrkette um 210 RMB. Er will noch einmal Luft holen, aber ein Blick auf die Uhr,…

Sonntagsarabesken #94

Wenn das grüne Abendlicht den Reiz der fernen Welten schlucken möchte und doch nicht durch das Fenster dringt, dann fühlt sich Rodrigo geborgen. Seine Hand ruht auf dem Einband des Tagebuches. Er hat…

Teehaus, 19:30 Uhr

Die Xiaojie bittet uns herein, führt uns an zwei Dutzend mit Köstlichkeiten gefüllten Gefäßen vorbei in den ersten Stock des Vollholzbaus und bittet uns im Raum Platz zu nehmen. Die Gruppe setzt sich…

Expert-Building, 6:55 Uhr

Ein Skandal. Erwachen ohne von der Sonne geblendet zu werden. Frühstück ohne Probleme. Verdauung in Ordnung. Sogar das Wasser schmeckt nur halb-faul. Es ist heiß und feucht hier in Shaoxing. Die Gruppe leicht…

Musik im Internetcafé

China, Shaoxing, ein Internetcafé: Ich sitze am Primatenrechner, an dem sonst nur der Boss (ein schmieriger, fetter Typ) seinen Luxuskörper ablegt. Man erkennt das an den Ascheresten, am Spezialstuhl, an der einzigen Maus…

Sonntagsarabesken #93

Märchenlandschaften erstrecken sich zwischen dem Westen Wiens und der Inneren Stadt. Regelrechte Schmerzzonen, denen über die Jahre Dutzende Geschichten aufgestempelt wurden, zerkratzte Oberflächen, milchig gewordene Scheiben, in Neonlicht geschriebene Begebenheiten und Träume, Lokale,…

Aber nicht China selbst…

Der Flug dauerte unangenehm lange: Wien-Frankfurt, vier Stunden Wartezeit (wieviel Kaffee kann ein Mensch eigentlich trinken?), Frankfurt-Shanghai in einem nicht voll besetzten Flugzeug (ergo freundliche Stewardessen), Ankunft in Shanghai ohne Schwierigkeiten mit dem…

Unfall

Es regnet. Die Autos bewegen sich langsamer als sonst auf der vom Regen dunkelgrau gefärbten Straße. Ab und zu durchfährt ein Reifen eine Lacke, die sich daraufhin über die ganze Straße verteilt und…

Sonntagsarabesken #92

Überempfindlich ist das Draußen geworden, und mit ihm die Menschen, die es bewohnen. Verbildet von übermäßiger Klugheit, berauscht von den Klängen eines Geistes, der sich in die höheren Lagen der Verfeinerung geflüchtet hat,…