Alt-Hietzinger Ball 2008 #

Panorama Alt-Hietzinger Ball

Entgegen all meinen Erwartungen war ich gestern dann doch für zwei Stunden dort, am Ball der Alt-Hietzinger im Parkhotel Schönbrunn. Eigentlich hat sich zum Alt-Hietzinger Ball 2007 nichts verändert, außer, dass es Alterskontrollen gab und alle bis-16-jährigen Ballgäste mit einem orangefarbenen, alle bis-18-jährigen mit einem grünen Armband markiert wurden. Bevor ich wusste, dass es sich hier um Altersbegrenzungsmarkierungen handelte, sah das alles für mich ein wenig nach All-Inclusive aus.

Ansonsten: Sturzbetrunkene Kinder, Zigaretten überall, Gäste, die sich entfernten, sobald es die Etikette erlaubte, ein paar Lehrer, eine Mitternachtsquadrille, Würstl (wann hört das endlich auf!?!!), Heurigenbänke wo normalerweise Lederfauteils standen, schwarze Hemden und weiße Maschen zum Smoking, eine von Jahr zu Jahr deutlicher sichtbare Verlagerung des Balls in die Bijou-Bar und Bier überall. Wenn’s nicht unbedingt sein muss, dann danke.

Bälle, Rituale, Tanz

Dominik schreibt über „Die Ballsaison und ihre Auswirkungen1„, er schreibt über das Flair, den jeder Ball hat, über die Eigenheiten, die jeder Ball hat und darüber, das eigentlich nicht der Ball selbst das Lustmoment ballbesuchischen Daseins ausmacht, sondern sehr wohl, wenn nicht ausschlaggebend die Begleitung, egal nun, ob es eine Dame oder ein ganzer Freundeskreis ist. Weiterlesen

Alt-Hietzinger Ball

Auf Bitten Wolfgangs hin habe ich den Alt-Hietzinger Ball (eigentlich: Ball der Alt-Hietzinger) besucht und dort Fotos gemacht. Den Eindruck, den der Ball hinterlassen hat, hier:

Das Durchschnittsalter der Besucher lag beiderseits jenseits der Altersspanne von 18-65 Jahren, die Mehrheit allerdings bei einem geschätzten Durchschnittsalter von 14,5 Jahren. (Wann war das anders?) Fraglich ist bei solch einem Event natürlich, ob bei diesem Altersschnitt nicht der Verein der Jung-Hietzinger, der eine Gegenveranstaltung schräg gegenüber am Hietzinger Platz abgehalten hat, als Veranstalter des Balles nicht passender gewesen wäre als eine bekannte und doch nie gesehene Vereinigung von Alt-Hietzingern. Süßliches Parfum, Geknutsche an allen Ecken und Enden, dazwischen stark geschminkte Lehrerinnen und genervte Lehrer. Irgendwo bei den Ehrengästen, leicht gelangweilt, die beiden Direktoren. Die Luft stickig, von billigen Zigarren der Jugend verpestet. Das Schlosshotel selbst: Heruntergewirtschaftet und renovierungsbedürftig!

Der einstige Charme des Hotels ist gegenwärtigem Graus gewichen: Die Stofftapeten im Festsaal verströmen üblen Geruch und lösen sich von den Wänden, die rote Bijou-Bar ist nur mehr ein Abklatsch ihrer selbst und erinnert auf den ersten Blick mehr an ein Puff denn an eine noble Hotelbar, das Jägerstüberl toppt die Verkehrung von Wahrnehmung und Intention noch mehr: Das Mobiliar, der Charme und vor allem der Witz der Kellner ist zur Gänze gegen einen Bierschuppen in der Nähe eines Stadions austauschbar. In Hietzing gibt es damit schon drei zugrundgehende Institutionen, die nur noch durch die Verfallsignoranz ihrer Besucher am Leben gehalten werden: Das Parkhotel, den Ball selbst und das Dommayer einen Block weiter hinten. #