Netzkultur unter ein nachhaltiges Geschäftsmodell stellen

Netzkultur unter ein nachhaltiges Geschäftsmodell zu stellen, scheint aussichtslos zu sein.

Tumblr is among the most important sites online — a central hub of what is nebulously known as “internet culture.” Most recently, the site gave us Dat Boi, the unicycling frog, but Tumblr’s most famous legacy is probably the reaction GIF, which was popularized by Tumblr accounts like What Should We Call Me. Tumblr’s reblog structure, which created lengthy, publicly shared conversations between strangers, also helped popularize the concept of the Discourse, the internetwide conversation happening all at once. It is also the primary meeting place for fandoms of shows like Doctor Who and Supernatural, and films like the Marvel movies — some of the most aggressive fandoms are cultivated on Tumblr.

Auch andere Sites, die Netzkultur fördern, darunter Twitter, (ehemals) Vine, Reddit, 4chan und sogar YouTube, kämpfen damit, nachhaltig kostendeckend (oder sogar profitabel) zu werden. Denn Kultur, ob auch in Form von Netzkultur, ist kein wertloser, die Werbung begleitender Content, sondern eine (kreative) Leistung – die aber keinen Wert darzustellen scheint, um den herum man ein nachhaltiges Geschäftsmodell bauen könnte. Ist doch das Schaffen von Werten online im Vergleich zum Extrahieren von Daten wertlos:

Tumblr and Vine and the like never had data-mining operations as sophisticated as, say, Facebook. That’s why most of the advertising money in the industry has drained toward Facebook, which has 2 billion users, mounds of data, and can better assure advertisers of content cleanliness. […] And by selling ads against people’s identities, rather than their creative content, the company has churned out impressive profits, and given a wider impression that an ad-supported content platform is viable.

Unter einem ähnlichen Problem leidet gegenwärtig ja auch Medium.

Geschäftsmodell: Verkauf von Menschen

re:publica 2015 - Aral Balkan: Beyond The Camera Panopticon

In diesem emotionalen re:publica-Talk aus 2015 präsentiert Aral Balkan verschiedene Konzepte, die zwei Jahre später in seiner Replik auf Mark Zuckerbergs Manifest viel von der Dichte seiner Argumentation ausmachen. Seine zentrales Anliegen lautet, dass wir den Menschen als ein „um Technologie erweitertes Selbst“ verstehen müssen. Dieses Selbst wird aber kontinuierlich angegriffen und um seine Menschlichkeit beraubt, denn es ist das Geschäftsmodell von Facebook, Google und anderen Silicon Valley-Startups mit allem zu handeln, was einen Menschen ausmacht, nur nicht mit dem biologischen Körper an sich. Sklaverei hat mit dem menschlichen Körper Handel getrieben. Heute wird mit allem außer dem menschlichen Körper gehandelt.

Es ist spannend zu sehen, wie sich verschiedene Fragen während des Vortrags entwickeln: Wie kommt es zur Simulation? Wie wird der Mensch durch die Erweiterung seines (biologischen) Selbst um Technologie zum Cyborg? Und wie kommt es zur Verschiebung des Verhältnisses von Mensch zu Technologie von Herr/Diener zu Cyborg/Organ? Doch nicht nur das. Dieser Vortrag ist eine systematisierte Zusammenfassung über den Wahnsinn (und seine Folgen), der sich aus dem Silicon-Valley-Geschäftsmodell von Unternehmen wie Google und Facebook ergibt (ab Minute 35:26) und allein schon deshalb sehenswert.

Nachhaltige Finanzierung qualitativer Angebote durch Werbung? Eher nicht.

Evan Willams über das grundlegende Problem nachhaltigen Wirtschaftens für eine Publishing-Plattform wie Medium, wenn nicht das sonst übliche Ziel der Skalierung im Vordergrund steht, sondern ein grundlegend anderes, wie zum Beispiel der Anspruch an Qualität.

In 2016, we made big investments in teams and technology aimed at attracting and migrating commercial publishers to Medium. And in order to get these publishers paid, we built out and started selling our first ad products. […] To continue on this trajectory put us at risk — even if we were successful, business-wise — of becoming an extension of a broken system. […] We decided we needed to take a different — and bolder — approach to this problem. We believe people who write and share ideas should be rewarded on their ability to enlighten and inform, not simply their ability to attract a few seconds of attention. We believe there are millions of thinking people who want to deepen their understanding of the world and are dissatisfied with what they get from traditional news and their social feeds. We believe that a better system — one that serves people — is possible. In fact, it’s imperative. So, we are shifting our resources and attention to defining a new model for writers and creators to be rewarded, based on the value they’re creating for people.

Williams trifft mit seiner Analyse den Nagel auf den Kopf, denn die Reduktion qualitativ hochwertiger Inhalte auf simple, nach Aufmerksamkeit heischende Impulstexte, ist ein Verlust, den ich medienübergreifend sehen, und aus Sicht der Verlagshäuser aber leider auch verstehen kann. Eine kontinuierliche Abwärtsspirale – wie einer der Investoren in Williams Firma treffend formuliert:

Publishing, as we know it, is broken. More specifically, publishing on the internet is broken. And more specifically still, publishing written content on the internet is broken. […] Link-bait has given way to click-bait which has given way to slideshows which have given way to fake news. While tactics change and evolve over time, they’re all powered by the same thing: a business model predicated around the almighty pageview.

[A number such as the pageview] can deceive when the goal is not actually to build the site with the most pageviews on the internet, but instead to fundamentally change the nature of publishing and reading. To do that, it’s not enough to simply be big. That’s part of the equation, to be sure. But just as vital is continuing to innovate on core product and experience while also building a sustainable model to make sure that all sides (publishers and readers) are deriving value — actual value — from the content, for the long-term.

Medium erliegt also dem gleichen Schicksal, dem sich auch andere ausgesetzt sehen, die hochwertige Inhalte online veröffentlichen wollen. Wenn das Unternehmen seinen Investoren gegenüber so argumentiert wie Uber, dann verkauft es ihnen wahrscheinlich am Ende ein Erlösmodell, das einem mit Buzzwords durchsetzten Äquivalent zum gewöhnlichen Zeitungsabonnement entspricht. Wenn es Medium gelingt, das Problem nachhaltig zu lösen, werden viele von dieser Lösung profitieren. Ich bin skeptisch.

Tageszeitungen im Flugzeug: aufpreispflichtige Zusatzleistung

Dass nun Austrian Airlines keine Tageszeitungen mehr in der Economy Class auf Linienflügen in Europa verteilt, wundert im Wissen um künstlich gesenkte Standards, die aufpreispflichtige Zusatzleistungen ermöglichen, nicht.

Die Einschränkungen […] sind bei Austrian Airlines Teil einer schrittweisen Tarifreform, wonach die Ticketpreise künftig von diversen Zusatzleistungen befreit werden sollen. Das bedeutet […] auch einmal Aufpreise beim Gepäck. Basistickets („flight only“) sollen dafür aber billiger werden.

Dass es vielleicht in Zukunft keine gratis Tageszeitungen, sondern nur noch Gratis-Tageszeitungen auf AUA-Flügen geben wird, nenne ich calculated misery.

Facebook – oder – für den Normalzustand bezahlen

The Problem With Facebook

Nur Katzen- und Kinderfotos im Facebook-Stream? Irgendwie wird’s immer fader und es ist nicht klar, warum? Immer öfter fehlen Postings von Freunden und Familie? Das sind die Auswirkungen der Umsetzung von Facebooks Geschäftsmodell: Algorithmen, die die Verbreitung von Inhalten einschränken, um deren normale (organische) Reichweite durch Bezahlung seitens der Inhalteanbieter wieder herzustellen.

Erinnert in Teilen an Googles Filter-Bubble, oder?

Was sich hinter Facebooks „Hervorheben“ verbirgt

Betreiber von Facebook-Seiten können ihre Beiträge „hervorheben„. Was wie die Möglichkeit wirkt, die eigenen Beiträge bewerben und weiteren Nutzergruppen zugänglich machen zu können, scheint aber ein künstlich herbeigeführter Fehler im System zu sein.

Richard Metzger hat sich genauer angesehen, wo das Problem liegt und kommt zu dem Schluss: I want my friends back.

It wasn’t just the so-called “fan pages,” individual Facebook users were also starting to notice that they weren’t seeing much in their newsfeeds anymore from the various entities they “liked”—or even updates from their closest friends and family members. Something was amiss, but unless you had a larger “data set” to look at—or a formerly thriving online business that was now getting creamed—it probably wasn’t something that you noticed or paid that much attention to.

Sein Vergleich hat es auch in sich:

For online publishers who depend on “page views” to sell advertising against—and who have invested considerable time and effort courting Facebook fans—the company’s new policies are particularly galling: Imagine losing 85% of your inventory and then being asked to pay a daily king’s ransom—more than it’s even worth to you—to get it back!

Ich bin sowieso dagegen, das, was eigentlich eine Website sein sollte, auf Facebook auszulagern. Letzten Endes verliert man doppelt: Einerseits erreicht man Kunden, die Facebook ablehnen, nicht, andererseits wird man seine Seite früher oder später auf jeden Fall von Facebook wieder abziehen und ganz neu beginnen müssen.

Facebooks Geschäftsmodell

Chris Dixon verdeutlicht den Unterschied zwischen Googles und Facebooks Geschäftsmodell.

Google makes the vast majority of their revenues when people search for something to buy or hire. They don’t have to stoke demand – they simply harvest it. When people use Facebook, they are generally socializing with friends. You can put billboards all over a park, and maybe sometimes you’ll happen to convert people from non-purchasing to purchasing intents. But you end up with a cluttered park, and not very effective advertising.