COVID-19, Tag 411: Virus ist Politik

Dienstag, 27. April 2021, Tag 411 der Corona-Pandemie. Vielleicht wundert sich ja jemand, warum es hier, in der COVID-19-Rubrik, häufig, wenn nicht immer, um Politik oder zumindest um politische Akteure geht. Dazu will ich heute nur auf einen kurzen Twitter-Thread verweisen, der aber gerade deswegen umso lesenswerter ist, weil in ihm der Zusammenhang zwischen Virus und Politik klar dargestellt wird. Weiterlesen

Uber verliert Lizenz in London #

#Uber hat seine Lizenz als Fahrdienstvermittler in London verloren, da das Unternehmen keine unternehmerische Verantwortung zeige:

Die Behörde Transport for London erklärte, Uber sei nicht „fähig und geeignet“, um eine neue Lizenz zu erhalten. Das Verhalten des Dienstes könne Folgen für die Sicherheit seiner Fahrgäste und der Öffentlichkeit haben. Im einzelnen gehe es unter anderem um das Melden ernsthafter Straftaten und die medizinische Begutachtung der Fahrer. Die Behörde nannte keine konkreteren Kritikpunkte dazu. Uber entgegnete, man habe sich immer an die Regeln zum Melden von Straftaten gehalten. […] Die Arbeitsbedingungen seien prekär, Sicherheitsrichtlinie würden nicht befolgt, Steuern und Abgaben nicht ordnungsgemäß entrichtet. „Das Geschäftsmodell von Uber zeugt von einem Mangel an unternehmerischer Verantwortung“, sagte ein Sprecher von Transport for London am Freitag.

Uber veröffentlichte ein schwülstiges Statement dazu und startete eine Petition für den Verbleib.

Es lohnt sich, die Rülpser in diversen Kommentaren zu lesen, den Kopf zu schütteln, und den Bescheid der Behörde als Regulierung – und damit als Schutzmaßnahme – zu verstehen. Aber dieses Verständnis erfordert dann doch wieder Reflexion. Siehe Twitter.

Aktualisierung am 24.9.2017: Und schon kommt die „male white commentators“-Keule, mit der die Entscheidung der TfL relativiert wird.

Regulierung ist Schutz #

#Der Linguist und Kognitionswissenschaftler George Lakoff hat einen Artikel über den Einfluss des Standpunkts auf das Vokabular und die damit assoziierten Umstände, Kausalitäten und Handlungsimperative verfasst. Am Beispiel der Aussage Donald Trumps, 75 Prozent der „Regulierungen“ abzuschaffen, veranschaulicht Lakoff, wie die Wahl des Begriffs „Regulierungen“ diese Aussage positiv erscheinen lassen kann.

The term “regulation” is framed from the viewpoint of corporations and other businesses. From their viewpoint, “regulations” are limitations on their freedom to do whatever they want no matter who it harms. But from the public’s viewpoint, a regulation is a protection against harm done by unscrupulous corporations seeking to maximize profit at the cost of harm to the public.

Imagine our minority President saying out loud that he intends to get rid of 75% of public protections. Imagine the press reporting that. Imagine the NY Times, or even the USA Today headline: Trump to Eliminate 75% of Public Protections. Imagine the media listing, day after day, the protections to be eliminated and the harms to be faced by the public.

Meine Güte, Framing ist so ein altes Ding, und dennoch „packen wir es noch einmal richtig an“ während derjenige, der uns diese Floskel entgegenwirft, an „sweating your assets“ denkt.