Unfollow Everything

Louis Barclay hat eine Browsererweiterung geschrieben, die es leicht gemacht hat, Facebooks Newsfeed auf ein Minimum zu reduzieren. Mit Unfollow Everything konnte man seine „Freunde“ zwar behalten, ihre Nachrichten und Postings im Newsfeed aber abschalten.

The tool I created, a browser extension called Unfollow Everything, allowed users to delete their News Feed by unfollowing their friends, groups, and pages. The News Feed […] is that never-ending page that greets you when you log in. It’s the central hub of Facebook. […] time spent on the platform translates to ads viewed and clicked on, which in turn translates to billions of dollars for Facebook. The News Feed is the thing that keeps people glued to the platform for hours on end, often on a daily basis; without it, time spent on the network would drop considerably.

Facebook Banned Me for Life Because I Help People Use It Less

Ohne Newsfeed keine Werbeeinblendungen, daher hat Facebook die Browsererweiterung und den Entwickler von seiner Plattform verbannt. 🍻

Waneella: Empty Spaces

Waneella: Empty Spaces

„Empty Spaces“, wie passend. Irgendwie erinnert mich Wien auch gerade daran. Gegen Ende der Sommerferien, wenn es im Wetterbericht heißt, dass die „Kälte nachhaltig Einzug hält“, flüchten einige von uns noch ein letztes Mal kurz in den Urlaub. Trotz Kälte aufs Land, wegen Kälte in den Süden, wo wir uns noch ein wenig Sonne und Wärme erhoffen, bevor der Kampf gegen Tristesse, Depression, Dunkelheit und Kälte beginnt.

So ganz kalt, wie in Waneellas „Empty Spaces“ ist es zum Glück noch nicht (und so schöne Farben am Himmel haben wir hier in Wien auch eher selten), aber wer an einem Sonntag in der Früh unterwegs ist oder spätabends, kurz nach Sonnenuntergang, am Stadtrand spaziert, kann sich in Szenerien wiederfinden, die der oben dargestellten ähneln.

Doch all dem schönen Gerede und der Romantisierung zum Trotz ist der Herbst da. Und es gilt nun einige Monate durchzuhalten, bis es wieder soweit kommt, dass wir uns über Hitze beschweren können.

Wanella liefert, wie immer, feinste Pixel Art und schön langsam gewöhne ich mich auch an den zugehörigen Soundtrack.

Schreiben verlernen

Schreiben hat bei Siobhan Bamber (aber nicht nur bei ihr!) therapeutische und der geistigen Selbstheilung dienende Kräfte. Die Erkenntnis der Abhängigkeit zur Tätigkeit, nichts anderes als die Bewusstwerdung, dass man sich für die schönste Art der Kultivierung und Verarbeitung gedanklichen Wildwuchses entschieden hat, wird, leidet man unter einer wie auch immer motivierten Schreibblockade, zur Last.

I stopped writing because I was paralysed with doubt and fear. I fear being bad at something I love. I fear failing. As I have the habit of doing, I stopped and retreated to safety as a result.

On forgetting how to write (and a resolution)

Ich kann Siobhans Gedanken sehr gut nachvollziehen, vor alle der Teil, in dem sie von imaginierten Leserinnen und Lesern schreibt. Und ich habe ihren Beitrag auch kommentiert. Wer an einen Empfänger und an eine Botschaft denkt, verwechselt die Kultur des Schreibens mit Marketing. Wer für sich schreibt, das Verfassen von Texten als Mittel zur Ordnung seiner Gedanken nutzt und das Ergebnis – geordnete Gedanken – veröffentlicht, hat mehr davon. Und ja, auch Siobhan Bamber hat vor, das regelmäßige Schreiben in kleinen Schritten wieder in ihr Leben zu integrieren. 5× mehr, aber 5× kürzer, hieß es bei Mike Crittenden vor kurzem. Vielleicht ist das ja ein guter Zugang.

Abdulrazak Gurnah hat den Literaturnobelpreis gewonnen, aber niemand hat seine Bücher

Abdulrazak Gurnah hat den Literaturnobelpreis gewonnen. Kein einziges seiner Bücher kann in deutscher Übersetzung erworben werden, die englischen Versionen der meisten seiner Bücher sind vergriffen. Die Büchereien Wien, sonst die Anlaufstelle für solche Fälle, haben nur ein einziges seiner Werke – „Die Abtrünnigen“ – in ihrem Katalog. Lediglich die Bibliothek der Universität Wien ist gut ausgestattet. Gut, dass er den Preis gewonnen hat. Ich hoffe, die Kataloge werden bald aufgestockt.

Kinder sind unerschlossenes Einkommen

Man stelle sich ein Unternehmen vor, dass seine die Privatsphäre ignorierende Technologie und die zugehörigen Ressourcen gegen Kinder richtet:

Facebook formed a special team to study children and ponder ways in which they could be monetized. One such document is said to refer to children between the ages of 10 and 12 (“tweens”) as a “valuable but untapped audience.” Another suggests “leveraging playdates” as means to drive Facebook’s “growth.”

Another document cited by the paper, dated March 2021, notes that Facebook is struggling with “global teen penetration” and warns that “acquisition” of teen users “appears to be slowing down.” Internally, Facebook expects its teenaged audience to plummet by an additional 45% by 2023, according to the Journal.

Leaked Facebook Docs Depict Kids as ‚Untapped‘ Wealth

Der erste Satz meines Beitrags hier ist eigentlich eine Schönung des Satzes „Ein Unternehmen spioniert Kindern nach“. Wenn ich in diesem Zusammenhang nicht mehr an ein Unternehmen, sondern an eine Person denke, die einem 13-jährigen Kind kontinuierlich nachstellt, es überwacht, sein Verhalten analysiert und mit den (finanziellen) Mitteln eines Erwachsenen versucht, es zu beeinflussen, potentiellen Schaden in Kauf nehmend, dann empfinde ich das als zutiefst widerlich. Genau darauf deuten aber die oben zitierten Dokumente hin.

Kinder sind unerschlossenes Einkommen? Bei dieser Aussage eines den Datenschutz und die Privatsphäre ignorierenden Unternehmens möchte man sich den ganzen Tag lang die Hände waschen. Das ist ein ekliger Tiefpunkt und ich hoffe, die Kids sind schlau genug, erhöhen die oben zitierten 45% auf noch deutlich mehr und nehmen ihre Eltern auch gleich mit von der Plattform, denn die ist nicht nur toxisch aufgrund der dort verfügbaren und verbreiteten Inhalte, sondern von Grund auf, in ihrem Kern.

Martin Thürs Resultat: Antworten

Martin Thür, der, so scheint mir, in kein Interview geht ohne alles, wirklich alles über seine Interviewpartner und die Sachlage in einer Causa zu wissen, was ihn zu einem journalistischen Profi der Extraklasse macht, hat gestern in der ZIB2 ein Interview mit Bundeskanzler Kurz geführt, das mich nicht nur fasziniert und an den Fernsehr gefesselt, sondern auch gezeigt hat, wie ein Interview ablaufen kann (und, IMHO, ablaufen soll).

Selten habe ich einen kommunikativen Profi wie Sebastian Kurz so sehr mit seinen Versuchen, ein Gespräch durch geschickte Rhetorik in eine ihm wohlmeinende Richtung zu lenken, scheitern gesehen, wie in diesem Interview. In meinen Augen lag das aber nicht an einer Schwäche des Befragten, sondern an der Stärke des Fragenden, der mit seiner Interviewführung zur genau richtigen Zeit die passenden Fakten und Statements präsentiert und damit die Rhetorik in einem Moment unterbrochen hat, in der sie Aufwind hätte nehmen können. Das Resultat: Antworten.

Bravo, Martin Thür, für dieses Interview!

COVID-19, Tag 573: Österreich auf der Liste

Mittwoch, 6. Oktober 2021, Tag 573 der Corona-Pandemie. Eine kurze Einschaltung, nur zur Erinnerung, weil man bei all dem Steuergerede ja fast vergessen könnte, dass wir uns inmitten einer Pandemie befinden: Österreich wurde vom Center for Disease Control and Prevention in Bezug auf Corona als Hochrisikogebiet eingestuft.

Wenn ich mich umsehe, dann wird Corona in der Wahrnehmung und in den Medien bereits der Domäne der Vergangenheit zugeordnet. Oder sehe ich nicht richtig?

Facebook.com war down

Facebook war eine Zeitlang down, damit verbunden auch WhatsApp und Instagram. Was mich besonders freut: Hätte ich nicht darüber gelesen, wäre das gänzlich an mir vorbeigegangen. Ich glaube, das ist ein guter Indikator dafür, dass ich mit dem Konzern und keinem seiner zugehörigen Firmen zu tun habe.

Browser übernehmen für HTTPS Everywhere

Die Weiterentwicklung von HTTPS Everywhere (eine Browsererweiterung der Electronic Frontiers Foundation, die vom HTTP- aufs HTTPS-Protokoll umleitet) wird eingestellt, da die EFF ihr Ziel, so viele Websites wie nur möglich über das sichere HTTPS-Protokoll zu laden, als erfüllt sieht. Außerdem bieten nun alle Browser (bis auf Edge) automatisiert oder per Checkbox die Möglichkeit an, nur noch Verbindungen über HTTPs zuzulassen.

The goal of HTTPS Everywhere was always to become redundant. That would mean we’d achieved our larger goal: a world where HTTPS is so broadly available and accessible that users no longer need an extra browser extension to get it. Now that world is closer than ever, with mainstream browsers offering native support for an HTTPS-only mode. […] After the end of this year, the extension will be in “maintenance mode.” for 2022.

HTTPS Is Actually Everywhere

Ich habe die Browsererweiterung an unzähligen Stellen empfohlen, nunmehr wechsle ich über zu den Empfehlungen, die auch die EFF gibt, nämlich, den Browser die Arbeit erledigen zu lassen:

  • Firefox: Einstellungen > Datenschutz & Sicherheit > Nur-HTTPS-Modus > Nur-HTTPS-Modus in allen Fenstern aktivieren.
  • Chrome: Einstellungen > Datenschutz & Sicherheit > Sicherheit > Erweitert > Immer sichere Verbindungen verwenden.
  • Edge: Es ist ein Witz. Da gibt es diese Einstellung nur im „Experimental Modus“.
  • Safari: Übernimmt die Weiterleitung auf HTTPS von selbst.

Und jetzt werde ich einen Beitrag nach dem anderen durchgehen und die Verweise auf die HTTPS Everywhere-Erweiterung gegen die Browser-Einstellungen austauschen…

Waneella: Circles

Der Herbst beginnt, ob ihr wollt oder nicht. Dass Waneella semi-dystopische Pixel Art dazu bereithält, ist wohl klar, oder? Meine Güte, was gäbe ich, um mich einmal in irgendeiner Form von immersiver Experience in einem so geschaffenen Lokalkolorit zu bewegen?!

Jedenfalls ist mit Erscheinen dieses Beitrags am 22. September 2021, 21:21 Uhr, Tag-und-Nacht-Gleiche, ab jetzt werden die Tage wieder kürzer, die düsteren, depressiven Stunden ab 16 Uhr kommen schnell nahe und halten bis 20. März 2022 an. Da müssen wir durch, jammern bringt nichts. Ich hoffe, euch geht es gut und ihr genießt die noch verbleibenden, sonnigen Tage!

COVID-19, Tag 556: Maskenpflicht im Flugzeug? LOL!

Sonntag, 19. September 2021, Tag 556 der Corona-Pandemie. Dass es diejenigen gibt, die grundsätzlich gegen die Impfung, die Schutzmaßnahmen und im Besonderen gegen den Mund-Nasen-Schutz sind, ist bitter. Über diejenigen, die nur ihre Nase (selten), ihren Mund (sehr häufig) oder überhaupt nur ihr Kinn (erstaunlich oft zu sehen) mit der Maske abdecken, brauchen wir nicht reden; so tun als ob bringt nicht viel. Und die dritte Gattung sind dann diejenigen, die die Maske zwar tragen, aber zum Sprechen, Husten oder Niesen abnehmen. Auch ganz toll.

Genauso, wie sehr vielen egal ist, dass sie Bürokollegen, Familie und Freunde mit einem Schnupfen oder dem Grippevirus infizieren, gleich egal ist es ihnen wohl auch, wenn sie das mit dem Coronavirus tun. Okay.

Solange nun das individuell interpretierte Tragen von Masken irgendwo im Freien passiert, ist es mir ziemlich egal, was Menschen tun. In dem Moment, aber, wo das in geschlossenen Räumen passiert, nicht mehr. Sind die Räume auch noch sehr eng – ist man zB in ein Flugzeug gepfercht -, dann wird es überhaupt ungut. Und ich war in ein Flugzeug gepfercht und es war ungut.

Eine FFP2-Maskenpflicht für ein paar Stunden ist wirklich keine große Sache. Man sitzt ohnehin gelangweilt da und wartet, bis der Flug vorbei ist. Kein starkes Atmen wie beim Sport, nein, einfach nur dasitzen und warten, bis diese würdelose Beförderung ein Ende nimmt. Aber nein, so denkt man inmitten einer Pandemie nicht. Die große Ausnahme – beim Essen und Trinken darf die Maske abgenommen werden – wird ausgiebig dafür benutzt, sie grundsätzlich nicht zu tragen. Denn abgesehen von denjenigen, die überhaupt und komplett auf die Bestimmung pfeifen und die Maske, sobald an den Flugbegleitern vorbei, abnehmen/unter die Nase/aufs Kinn schieben, lösen die anderen das Problem, in dem sie ein Glas Wasser oder sonst etwas bestellen, die Maske komplett (und in dem Fall sogar regelkonform!) abnehmen und mehrere Stunden an ihrem Getränk trinken oder einfach mal einen Flug lang brauchen, um ihre Mannerschnitten zu essen. Wenn das irgendwo passiert, dann ist das schon schlimm. Wenn das aber direkt neben jemandem, der das Tragen der Maske ernst nimmt, geschieht, ist es ungut. Und ungut war es. Vor allem, wenn diese Leute dann zu husten oder laut zu sprechen beginnen. Aerosole, here we go!

Haben die Flugbegleiter irgendetwas unternommen? Nein. Bis auf die Pflichtrunde mit dem Versorgungswagerl waren sie nicht zu sehen. Wurde, wie es in den Straßenbahnen und in der U-Bahn mittlerweile üblich ist, zumindest eine Durchsage diesbezüglich gemacht? Einmal ganz zu Beginn des Fluges, dann nie wieder. Ist überhaupt irgendwas bezüglich der Tragepflicht von FFP2-Masken passiert, hat irgendwer die Tragepflicht einer FFP2-Maske nach dem Betreten des Flugzeugs kontrolliert? Nein. Ungut.

Wenn ich von dem einen Flug auf den gesamten Flugbetrieb schließen müsste – und ja, auf beiden Flughäfen sah es nicht viel anders aus -, dann ist es der Branche wohl völlig egal, ob eine Maske getragen wird und ob sich die Fluggäste an die Bestimmungen halten oder nicht. Schade, aber wahr. Pandemie, forever! 🤷